Projekt-Interview

Ein Interview mit meinem inneren Angsthase und mir – vielleicht hätte ich doch nicht Fight Club lesen sollen…

Angsthase: Danke, dass du dir heute Zeit für das Gespräch genommen hast, obwohl du so beschäftigt bist.

Frau Trauminet: Das mache ich doch gerne, es ist ja schließlich für eine gute Sache.

Angsthase: Genau, „eine gute Sache“ (formt Anführungszeichen mit den Pfoten in der Luft). Aber erklär doch mal in wenigen Sätzen, worum es sich dabei eigentlich handelt.

Frau Trauminet: Raus aus dem Hamsterrad!! Ich möchte aus meiner Vollzeitstelle aussteigen und langsam meine Selbstständigkeit aufbauen im Bereich des Reisegewerbes.

Angsthase: Eine Imbissbude also (macht sich Notizen). Und wie stellst du dir die Zeit ohne Hamsterrad vor?

Frau Trauminet: Ich stelle mir die ersten Tage wie eine Mischung aus Kranksein (nur eine leichte Erkältung, man kommt noch zum Kühlschrank, aber definitiv nicht aus der Haustür) und Urlaub vor. Ich kann mich auch wieder um die Dinge kümmern, für die ich jetzt keine Zeit habe, Hobbys, Sport, soziale Kontakte und Familie. Wenn ich im Moment am Abend heimkomme, habe ich kaum noch Elan dafür. Aber den hole ich mir wieder und kann ihn in meine Selbstständigkeit investieren. Und zu der Imbissbude (formt Anführungszeichen in der Luft), das ist ja mehr ein Projekt.

Angsthase: Ein Projekt – und was umfasst das Projekt, wie heißt es?

Frau Trauminet: nuschelt etwas

Angsthase: Bitte?

Frau Trauminet: „Projekt Egel“..

Angsthase:

Frau Trauminet: Ja, als wir einen Namen dafür gesucht haben, wollten wir erst sowas amerikanisches, wie in so Agentenfilmen „project eagle – Phase 1 beginnt“ und dann aber eher was deutsches, aber Adler klang doof und der Igel ist ja ein süßes Tier, doch wir haben uns nicht zugehört und dann wurde daraus irgendwie Projekt Egel…

Angsthase: Und für Projekt Egel verlassen wir unsere unbefristete Stelle (seufzst)

Frau Trauminet: Dahinter verbirgt sich ja das Konzept für den Imbisswagen, was wir anbieten wollen, die Kalkulationen, Rezepte und so. Derzeit möchte ich aber noch nicht verraten, was wir genau anbieten möchten – aber es sind keine Burger. (lacht – verstummt aber, weil niemand mitlacht)

Angsthase: Ok, Paranoia kann ich durchaus nachvollziehen. Zurück also zu deinem Ausstieg und die Zeit danach. Stellst du dir das nicht alles sehr romantisch vor?

Frau Trauminet: Mir ist schon bewusst, dass das nicht eine Zeit wird, in der ich gar keinen Job haben werde. Ich möchte aber einen haben, der maximal 20 Stunden umfasst, so dass ich halt für das Projekt Zeit habe. Ich würde auch gerne wieder als Verkäuferin arbeiten am besten in einer Buchhandlung oder an einer Kinokasse oder was mit Tieren!

Angsthase: Oder was mit Tieren?! Du hast zwei Master, ’ne leitende Funktion und endlich mal richtig viel Geld und willst jetzt WAS MIT TIEREN MACHEN?

Frau Trauminet: Ich weiß nicht, ob der Ton hier noch angemessen für ein Interview ist…

Angsthase: Was machst du eigentlich, wenn das Projekt EGEL scheitert?

Frau Trauminet: Wenn es dann finanziell eng werden sollte, würde ich wieder mehr arbeiten. Aber eigentlich möchte ich lieber so leben, dass ich weniger Geld brauche.

Angsthase: (schmeißt Notizblock auf den Boden) Ich kann so nicht arbeiten! (stürmt davon)

Frau Trauminet: Hab ich jetzt was falsches gesagt?

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