Stein, Schere, Papier (Teil 1)

Mein Lieblingsthema: Papier! Ich hatte es ja schon angedeutet, aber der Weg der Selbstständigkeit ist mit Papier gepflastert. Ein wichtiges Formular ist dabei der Gewerbeschein. Aber wie bekommt man ihn?

Natürlich wird in der Theorie niemand an den Herd gelassen, der nicht Ahnung davon hat. Wer ein Gewerbe eröffnen möchte, um damit Lebensmittel verkaufen will, wird zunächst auf Herz und Nieren geprüft. Das dient nicht nur zum Schutz des zukünftigen Kunden, sondern auch der Gewerbetreibende sollte sich bewusst sein, auf was für eine Nummer er sich da einlässt.

In der Praxis nehme ich das allerdings anders war. Wenn ich mir Imbissläden oder -buden anschaue, überfällt mich ein Schauer, der nur noch wenig mit Hunger zu tun hat. Auch fällt auf, wie oft Läden schließen und unter neuen Namen wiedereröffnen, wo ich mich wirklich frage, welches finanzielle Geschick dahinter steht (sicherlich eines, was nicht für Angsthasen geeignet ist). Ferner kenne ich nicht wenige, die sich erstmal ohne Formulare in Reisegewerbebusiness geworfen haben – hat bisher auch keiner gemeckert.

Aber diesen Weg können Angsthasen natürlich nicht nehmen. Das hat alles einen kriminellen Beigeschmack, bei dem ich mich am Ende des Tages in der Gefängniskantine sehe, wo mich eine Dame namens Walter anschreit, ich solle die Schnitzel schneller braten.

Was man für einen Gewerbeschein braucht, ist schnell zusammengesucht, aber hier eine kurze Übersicht:

  • Zu welcher Behörde muss ich vor Ort?
  • Führungszeugnis (die einfache Variante, ca. 13 Euro)
  • Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Finanzamt -> und hier sofort Unterlagen für Gewerbesteuernummer beantragen
  • Auszug aus dem Gewerbezentralregister (ca. 13 Euro)
  • IMMER, IMMER den Ausweis
  • Steuernummer griffbereit haben

Als diese Papiergeschichten sind zwar nervig, aber ich verbuche sie gerne als „early winnings“. Hat man sich erstmal zum Bürgerservice geschleppt, Geld und Ausweis auf dem Tisch geworfen und ein Führungszeugnis beantragt, läuft es sich danach gleich beschwingter. Kleine Erfolge sind unheimlich wichtig. Gerade in meiner jetzigen Situation, wo ich noch Vollzeit arbeite, habe ich kaum die Möglichkeit, mich um „Projekt Egel“ zu kümmern. Alles, was ich per Mail, telefonisch in der Mittagspause oder vor der Arbeit erledigen kann, ist Gold wert.

Manche Dinge gestalten sich natürlich schwierig. Zum Beispiel die Unbedenklichkeitsbescheinigung. Alleine das Wort ist so lang und sperrig, dass es mich auch nicht wunderte, dass beim Finanzamt, der telefonische Dienst „zurzeit nicht verfügbar ist“. Wie lang ist die Einheit „zurzeit“? Also habe ich zunächst per Mail meine Anfrage für die U-Bescheinigung (klingt auch nicht cooler, da holt man nix mehr raus…) gestellt. Den folgenden Tag versuche ich es dann erneut beim Finanzamt, Diesmal hebt sofort eine Dame ab (yeah!), verkündet mir aber, dass sie nicht für mein Anliegen zuständig sei (buh!), aber ob ich ihr schon mal meine Steuernummer geben könnte. Ich Schlaufuchs habe leider nur meine Steueridentifikationsnummer parat, was die Dame vom Finanzamt mit einem Seufzen quittiert und mir schließlich meine Steuernummer nennt. Hier handelt es sich wohl um einen Sonderfall, weil ich umgezogen bin und deswegen eine neue Steuernummer erhalten habe, die mir vorher gar nicht mitgeteilt wurde. Glück gehabt! Das war aber auch genug der Hilfe und so verbindet mich die Dame an einen jungen Herren weiter, dessen freundliche Stimme mir Mut macht. „Bei mir sind Sie für die Unbedenklichkeitsbescheinigung aber falsch.“ Mein Mut sinkt. Nach einem kurzen Austausch von Nummern – Steuernummer, was sonst? – werde ich weiter verbunden an die Warteschleife. „Bitte haben Sie einen Augenblick Geduld.“ Wie lang ist denn jetzt „ein Augenblick“? Ein nervtötender Bass hämmert in mein Ohr, der nur durch die freundliche Ansage unterbrochen wird. Plötzlich stelle ich mir vor, wie der König des Labyrinths, David Bowie, vor mir erscheint und diabolisch lacht: „Du kommst niemals in mein Finanzamt!“ – „Aber ich habe doch die magische Steuernummer!“ – „Nie-mals!“ Der König lacht und stimmt einen Song mit seinen Verwaltungstrollen an „Just a moment….“

Endlich meldet sich eine Dame, sie klingt jung und freundlich, in mir keimt Hoffnung. Sie ist auf jeden Fall die Person, die mir Unterlagen für die Gewerbesteuernummer schicken kann – aber nicht die Unbedenklichkeitsbescheinigung. „Ich bespreche das aber mit meinem Kollegen, dann sende ich Ihnen beides. Und wenn Sie noch Fragen haben, können Sie einfach anrufen.“ Ich bedanke mich überschwänglich und lege auf, meine Mittagspause ist nun fast zu Ende.

Den Auszug aus dem Gewerbezentralregister erhalte ich dummerweise genau dort, wo ich auch mein Führungszeugnis beantragt hatte. Eine bessere Recherche hätte mir den erneuten Weg erspart. Wieder Geld auf den Tisch, Ausweis zücken und auf Post warten. Das Führungszeugnis lag schon nach einer Woche im Briefkasten, also bin ich guter Dinge, dass auch die restlichen Unterlagen zügig eintreffen. Dann kann ich den Gewerbeschein beantragen und alles für die Gewerbesteuernummer ausfüllen – ich denke nach – Formulare ausfüllen… In der Ferne höre ich das Lachen aus dem Labyrinth.

Tipp: Papierkram immer frühzeitig beantragen, manche Unterlagen haben eine Bearbeitungszeit von bis  zu 4 Wochen.

Advertisements

Ein Kommentar

Kommentare sind geschlossen.