Warum Elmo?

Elmo ist der Name des schnuckligen Reisemobils, was uns einen entscheidenen Schritt Richtung Selbstständigkeit näher gebracht hat. Am Ende findet sich eine kurze Zusammenfassung, was alles beim Kauf eines Reisemobils zu beachten ist.

Nennen wir es Reisegewerbe, aber am Ende ist es dann doch wieder ein Food Truck. Ja, noch einer! Weil es nicht genug gutes Essen in der Welt geben kann und weil es immer noch Orte gibt (in so einem wohne ich zum Beispiel zurzeit), wo das kulinarische Highlight eine Camembertpizza mit Preiselbeeren ist. Das klingt besser als es ist.

Ein Foodtruck ist zudem die ideale Lösung für Angsthasen, da ich mich nicht auf einen Standort festlegen muss, mir somit Pacht bzw. Miete spare und in der Ausführung sehr minimalistisch agieren kann.

Das klingt ziemlich logisch und auch recht romantisch, aber das ist trügerisch. Einfach nur Essen verkaufen, das funktioniert natürlich nicht. Damit meine ich nicht Marketing, Konzepte oder all den kreativen Kram, den man locker bei einem Kaffee runterschreiben kann (übrigens: auch das ist eine Illusion…), sondern das liebe Papier. Papier bzw. Formulare sind deutlich wichtiger als Geld, denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wie viel Ausdauer hast du? Wie viele Formulare kannst du in der Stunde ausfüllen? Kannst du die wichtigen von den unwichtigen Papieren scheiden? Und findest du den Ansprechpartner, dem du alle Formulare überreichen musst? Bevor ich mich also in den unendlichen Weiten des Internets auf der Suche nach den richtigen Papieren verloren habe, stand zunächst eine ganz andere Frage auf dem Plan: Foodtruck oder nicht?

Der Foodtruck an sich verfügt ja nicht nur über den Küchen-/Verkaufsbereich, sondern auch über die Fahrkabine. Mit der beginnt schon das Problem: Die Fahrkabine nimmt Platz in Anspruch, die sich bei Festivals, Weihnachtsmärkten etc. in die Standgebühr niederschlägt. Gehen einem zudem während es Verkaufs plötzlich zum Beispiel die Kaffeebohnen aus (was hoffentlich nur passiert, weil UNENDLICH viele Menschen bei einem kaufen möchten), muss im schlechtesten Fall (keine Rösterei fußläufig erreichbar) ein zweites Auto zur Verfügung stehen, um Nachschub zu besorgen. Zweites Auto, zusätzlicher Spritverbrauch bei Anfahrt, das sind steigende Kosten. Das Hauptproblem, was bei uns gegen einen echten Foodtruck gesprochen hat, ist jedoch der Motor. Bei einem Motorschaden fällt der komplette Betrieb aus und da Angsthasen immer mit dem worst-case kalkulieren, war ein Foodtruck in seiner Reinform keine Option mehr.

Die weitaus günstigere und auch praktische Variante ist dagegen ein Imbissanhänger. Der bringt jedoch eine entscheide Frage mit sich: Wer zieht den Anhänger? Hier ist es besonders wichtig, auf das Gesamtgewicht von Anhänger und „Zugpferd“ zu achten, weil alles über 3,5 Tonnen einen zusätzlichen Führerschein, der Geld und Zeit in Anspruch nimmt, erfordert. Nun hat unser Auto nun nicht über eine Anhängerkupplung verfügt, war unsere Überlegung, in ein kleines Reisemobil zu investieren. Hierdurch hätten wir nicht nur eine Anhängerkupplung, sondern könnten nach getaner Arbeit hier drin schlafen und Hotelkosten sparen. Zudem ist klar, dass ein Ausstieg aus dem Hamsterrad keine fetten Fernreisen beinhaltet, durch das Reisemobil hätte man dennoch Abenteuerurlaub (und ich greife kurz vor: Für mich ist campen genauso aufregend wie für andere eine Wandertour durch den Dschungel.).

Was musste das Reisemobil also können? Zunächst braucht es eine Anhängerkupplung, darf nicht zu viel wiegen, sollte uns Platz zum Schlafen und Verstauen geben und bitte kein Klo haben. Ja, kein Klo! Das ist nicht nur unnötiger Ballast, sondern auch die ständige Frage nach der Entsorgung. Wichtig ist auch eine grüne Plakette, weil man sonst außerhalb einer Umweltzone parken muss und schon Hulk benötigt, um dann an den gewünschten Standort seinen Imbisswagen zu platzieren.

Ich bin ein großer Fan von Check-Listen, unsere sah ungefähr so aus, als Kleinanzeigen und Internetportale durchforstet wurden:

  • Gewicht?
  • Schlafmöglichkeit
  • Anhängerkupplung
  • grüne Plakette
  • Preis (Budget festlegen!)

Die Schmerzgrenze beim Preis lag bei 10.000 Euro und erst später zeigte sich, dass der Wohnmobil/Bulli/Caravon-Markt boomt. Sogar leihen kann man die Dinger – für stattliche Summen. Hier gab es eine Subkultur, die mir bisher völlig fremd geblieben war. Für mich gab es nur zwei Kategorien von Wohnmobilbesitzern: Rentner und Surfer. Näher bin ich deutlich der ersteren Gruppe, die jedoch viel mehr Geld als ich in ein Wohnmobil investieren kann. Also hieß es zunächst „Augen auf beim Schnäppchenkauf“. Ähnlich wie bei Wohnungsannouncen hat man irgendwann die Codes geknackt. „Für Bastler“ ist in jeder Form zu beiden, ebenso Formulierungen wie „noch ganz ok“ oder „das stört nicht wirklich“. Doch trotz aller Vorsicht, ich habe null Ahnung von Autos in jedlicher Form, gerade mal die Anzahl der Reifen und die Farbe bekomme ich über die Lippen. Nun sitze ich aber plötzlich in vergrößerten Autos, die auch vergrößerte Anforderungen an mich stellen; manche ohne Servolenkung, seltsamen Knöpfen und panischen Ausrufen „Nicht starten!! Erst warm laufen lassen!“

In solchen Momenten wird schnell klar, dass ein echter Bulli (im Sinne von „nostalgisch“) nicht zu unseren Anforderungen passt. Solche Bullis gehören in Liebhaber- und nicht Laienhände. Um so glücklicher waren wir dann, als wir Elmo fanden. Elmo ist ein Ford Reimo mit Westfalia-Aufbau (ja, Westfalia ist keine Automarke, wie ich dann auch lernen durfte…) und bringt alles mit, was wir brauchen: Schlafmöglichkeit, Stauraum, Diesel und weder Klo noch Gasanschluss. Eine Anhängerkupplung wurde zusätzlich für uns anmontiert und ebenso konnten wir auf eine grüne Plakette umrüsten. Die Umrüstung kann zudem refinanziert werden. Das erfordert zwar Papierkram, funktioniert aber reibungslos.

Wenn ich den Text noch einmal überfliege, klingt die Anschaffung von Elmo ziemlich reibungslos. Ich bin ganz offen: Das Hin-und-her was wir mit dem Reisemobileverkäufer hatten, könnte einen eigenen Blog füllen. Ständig gab es neue Verzögerungen, Ausreden und Pannen, wenn ich schon sah, dass Herr T. wieder angerufen oder gemailt hatte, pulsierte meine Halsschlagader. Selbst nachdem alle Fehler behoben worden waren, zeigten sich nach kurzer Zeit Schäden am Lack, die nur notdürftig geflickt worden waren. Selbst der günstige Preis wiegt kaum noch meine zerfressenen Nerven auf.

Und dennoch: Ich liebe Elmo. Ich liebe das Gefühl, ihn zu fahren, die weite Sicht auf die Straße, die Musik und schlechten Sound. Ich liebe die Nächte und den kalten Morgen auf dem Autohof. Es sind die Momente, wo ich es plötzlich schaffe, dass meine Gedanken langsamer werden, im Tempo von Elmo fahren und neue Wege finden. Erst dann bekomme ich eine Ahnung, wie es sein könnte, wenn man mehr Zeit hätte, wenn man andere Ziele hätte. Also nehme ich den Flugrost hin, noch ein Telefonat mit Herrn T. und auch den langen Winter ohne Elmo. Im April sehen wir uns wieder.

Warum lohnt sich ein kleines Wohnmobil?

  • Kosten für den Urlaub können gesenkt werden
  • Es kann durch eine Anhängerkopplung als „Lastentransport“ genutzt werden
  • Schnelle Möglichkeit, um dem Hamsterrad kurz zu entfliehen

Was muss man beim Kauf beachten?

  • siehe Liste im Text (die Anforderungen richten sich natürlich nach der Idee, ein Reisegewerbe zu eröffnen)
  • Ist man ein Bastler und hat grundlegende Kenntnisse, um kleine Reparaturen durchzuführen? (Ein Bulli ist hübsch, muss aber gepflegt werden)
  • Saisonkennzeichen
  • Unterstellmöglichkeit (Tipp: Im ländlichen Raum kann mit Landwirten gesprochen werden, ob es noch einen günstigen Platz in der Scheune gibt – so haben wir das gelöst)
  • Nehmt einen Profi mit – das erspart jede Menge Ärger. Wer keinen Profi kennt, kann auch auf Onkel Hotte zurückgreifen.
  • So gut wie möglich im Vorfeld informieren: „Flugrost“ ist ein gutes Stichwort, damit man nicht als der totale Laie rüberkommt und dann immer schön hinknien und unter die Felgen schauen (fachmännischen Blick nicht vergessen)
  • Probefahrt nicht vergessen (selber fahren und nicht vom Verkäufer fahren lassen)

 

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