Imbisswagen aka Imbissanhänger aka Verkaufsanhänger aka Motivationstief

Auch wenn ich beim Thema „Papierkram“ gut dabei sind, fehlt bisher das entscheidene Item für ein Reisegewerbe: der Imbissanhänger. Was dieser benötigen sollte, wird wieder zusammengefasst.

Ich muss gestehen, ich habe eine heimliche Freude daran, Dinge im Internet zu suchen: Wohnungen, Jobs, Autos – unermüdlich sammle ich Links, verteile Sterne und Herzen für Merklisten, wenn Herr Traumenit schon die Segel streicht und im „Aufgabe“-Modus ist.

Meine Erfolgsquote kann sich dabei sehen lassen, wir haben ein Dach über den Kopf und ich einen neuen Job. Einzig die Suche nach einem Imbisswagen gestaltet sich langsam als nervenaufreibende. Was genau wird gesucht:

  • Imbissanhänger (Ein gesamter Foodtruck scheidet aus, wegen möglicher Motorschäden und weil man im schlechtesten Fall eine erhöhte Standgebühr für die Fahrerkabine bezahlt)
  • der Preis sollte nicht 10.000 Euro übersteigen
  • der Wagen muss mindestens 3 Meter lang sein (sonst passen nicht alle Geräte rein), aber auch nicht länger als 5 Meter sein (wir erinnern uns an die Standgebühr)
  • Gasanschluss ist nicht nötig, insofern auch keine Geräte wie Grill etc. (wer einen Gasanschluss braucht, sollte immer bedenken, dass dieser noch einer seperate TÜV-Anforderungen hat)
  • Waschbecken mit Abwasserkanister/ablauf und Warmwasser (aus Hygienegründen ist dies notwendig, kann durch einen Boiler aber leicht bewerkstelligt werden)
  • Stromanschluss
  • Beleuchtung
  • nicht schwerer als 1300 kg (ansonsten wird  – in Kombination mit dem Zugfahrtzeug – wieder ein gesonderter Führerschein nötig)
  • (Hygienepaket: Seifenspender und Küchenrollenhalter – kein Witz, das ist Pflicht und wird auch in dieser Kombination ganz offziell „Hygienepaket“ genannt. Dies kann man natürlich locker selbst besorgen, ich erwähne es hier nur im Sinne einer „Merkliste“.)
  • in einem guten Zustand (nicht zu alt, kein Rost ( im Sinne von Löchern), richtig abgedichtet)
  • ideal: es sind schon einige Geräte wie zum Beispiel Kühlschrank vorhanden

Ja, genau – wir suchen den Prince Charming unter den Imbisswagen. Die Suche hat inzwischen nun verschiedene Phasen durchlaufen, die ich mal kurz skizziere.

Euphorie: Yeah, alles easy peasy! Und erst die große Auswahl, die man an Imbisswagen hat! Da brauchen wir maximal einen Monat und wir können starten.

Realität: Na, da muss man aber schon genauer hinschauen. Wenn ein Imbisswagen keinen TÜV hat, ist das ja ein zusätzlicher Aufwand. Wenn wir zeitnah einen Imbisswagen haben, brauchen wir ja auch einen Platz zum Unterstellen… (Die Konfrontation mit der Realität bringt einen schließlich dazu, Kompromisse einzugehen)

Faule Kompromisse: O.k., zur Not kann man sich auch selber um den TÜV kümmern. Vielleicht sollte man stets nur nach Wagen suchen, die schon Elektrogeräte haben. Reichen 10.000 Euro Budget für einen guten Imbisswagen überhaupt aus? Wäre ein Foodtruck nicht doch die bessere Lösung?

In der Phase der „Faulen Kompromisse“ verfällt man auch schnell in eine seltsame Art von Panik, die in blinden Aktionismus mündet. Der geht so weit, dass plötzlich die Projektbasis angezweifelt wird. Daraus folgen noch mehr Kompromisse…

Faule und seltsame Kompromisse: Also, wenn ein Grill drin ist, kann man den ja erstmal übernehmen. Vielleicht will man ja auch mal was grillen. Oder so eine Gulaschkanone – ist ja auch nicht schlecht. Das ist man auch ganz frei in seinem Angebot.

Hat man diese Phase erreicht, hilft es zunächst, sich selbst zurück in die Realität zu zwingen. Daher haben wir uns erstmal ein paar Imbisswagen angeschaut – nicht übers Internet sondern vor Ort. Das Gefühl, in diesem Wagen zu stehen, sich die Arbeit dort vorzustellen, ist richtig gut. Es fühlt sich richtig an. Fühlt es sich aber wie Liebe an? Dass man den Imbisswagen anschaut und denkt: „Ja! Das ist er!“ Das Gefühl hatten wir bisher leider nur ganz kurz. Denn in der Realität herrschen Maßeinheiten, Größe und Gewicht und der schönste Wagen wird plötzlich unbenutzbar, wenn die  benötigten Geräte keinen Platz finden. Hat man sich lange genug der Realität ausgeliefert, folgt diese Phase:

Motivationstief: …. (diese Phase ist eng verknüpft mit Realitätsflucht, also Vermeidung des eigentlichen Themas. Jeder, der also in dieser Phase fragt: „Hey, was macht eigentlich euer Imbisswagen?“ kann froh sein, dass man nicht haareraufend schreit: „Unser Wagen?? Unser WagEN 111!!???? Der muss noch gebacken werden!! Wir finden unseren Wagen unter all diesen anderen Imbisswagen nicht! Weil wir wohl karierte Maiglöckchen zum Kaffee kochen suchen?!?!?“ Dabei schäumt es auch so ein wenig aus den Mundwinkeln und das linke Auge zuckt verdächtigt. Aber so reagiert man ja nicht, weil man einfach nur zu kraftlos ist. Vielmehr erklärt man (auch ein Stück sich selbst), warum es gerade nicht klappt. Und während dieser Erklärung tritt ganz langsam und leise der Zweifel in dein Herz. Eigentlich läuft es gerade ziemlich gut. Du bist kurz davor mit den Fingerspitzen deine Zehen zu berühren, warum jetzt weiter stressen? Du wohnst wieder in der Stadt, der Frühling kommt, die Sonne scheint und – verdammt! Zwei Kugeln Eis zum Preis von einer! Vielleicht lässt sich die Situation aussitzen, irgendwann fragt keiner mehr, dann war das nur eine Idee, die man irgendwann aufgegeben hat. Das hört sich richtig gut an, aufgegeben, Eis essen, nicht mehr suchen. In diesen Momenten blende ich das ganze Thema „Selbstständigkeit“ und „Reisegewerbe“ einfach aus. Dann schaue ich einen Film, bin unterwegs oder sitze in einem Cafe. Und dann passiert es: Dieses Cafe erinnert mich daran, wo ich eigentlich hin wollte. Dass ich anderen mit Essen eine Freude machen wollte. Dass ich diesen Wunsch nicht vergessen kann.)

Und was macht man dann? Dann kommt die entscheidende Phase:

Back-to-the-roots: Als wir wieder in einem Imbisswagen standen, zwischen Grill und Kühlschrank hatten wir das absolute Tief erreicht. Von unserer Grundidee war kaum noch etwas übrig. In unserem Kopf schwirrten unzählige Konzepte, Elektrogeräte, Zahlen und Wünsche. In solchen Momenten muss man zehn Schritte zurück machen. Wir möchten einfach gute Lebensmittel und Kaffee verkaufen. Wie viel braucht ein gutes Produkt? Wie viel Platz benötigt ein schlichtes Konzept? Wir brauchen keinen Grill, wir brauchen keinen Gasanschluss, keine fünf Meter Theke. Vielleicht dauert es, bis wir den passenden Imbissanhänger finden. Aber wir werden ihn finden (<- DAS ist übrigens die Pathos-Phase. Ist für einen Leser schlimmer als für den Autor.)

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