Wenn das Vertrauen geht… (Teil 2)

Jeder kennt diese Ratgeber, wie man sich im Rechtsfall verhalten soll. Noch besser sind solche, die präventiv an die Situation rangehen: Schriftverkehr dokumentieren, Namen notieren und Papier sammeln. Nicht, dass man je auf so etwas hören würde, bevor man nicht selber richtig auf die Fresse gefallen ist. 

Aber hier, am Boden, Gesicht im Asphalt, ist die Ratgeber-Lücke. Die möchte ich heute schließen.

Nach dem ernüchternden Gespräch mit der GTÜ, der Gewissheit, dass Elmo ein langsamer und qualvoller Rosttod blüht und dem Gefühl, der letzte Depp auf Erden zu sein, sanken Herr Traumenit und ich erschöpft auf den Rand des Marktbrunnens (Jeder Marktplatz braucht einen stilechten Brunnen!). Vor uns das Kopfsteinpflaster, Menschen mit Eis in der Hand und ein paar Tauben. Die Welt drehte sich weiter. Ich war erschöpft. Reflexartig wollte ich in die Bücherei flüchten, mich hinter einem Comic verschanzen bis ich so viele Bilder aufgesaugt hatte, um die Schmach und Schande zu vergessen (ok, in einer solchen Stimmung wäre ein historischer Liebesroman vielleicht passender gewesen – oder ein Rechtsratgeber).

„Lass doch noch drüber reden“, auch Herr Traumenit war müde, wollte aber nicht in die Bücherei fliehen. Ich dagegen hatte echt die Nase voll vom Reden. Seit Wochen glichen unsere Gespräche einer schlechten „Law & Order“ Parodie, meine Such-Chronik war zum Laien-Gerichtshof verkommen und es nun hatte alles seinen traurigen Höhepunkt erreicht.

„Oder wir trinken einfach ein Bier…“ So trotteten wir zur nächsten Kneipe, die um 13 Uhr schon erstaunlich gut gefüllt war. Vielleicht hatten hier ja alle Gebrauchtwagenprobleme. Beim ersten Radler stritten wir uns noch. So macht man das nämlich, wenn der eigentlich Schuldige nicht da ist – man zerfleischt einfach die Person, die sich in nächster Nähe befindet. Vielleicht war aber auch der Einstieg mit einem Radler schlecht gewählt und so zogen wir weiter in einen Irish Pub. Wo es sonst dicht gedrängt ist, war nun nur der Barkeeper da. Freie Platzwahl!

Ich bestellte ein Guiness mit Irish Misk – und hier schließt sich die Ratgeberlücke. Wie sollte man mit Niederlagen und Verlusten umgehen? Darüber reden, das Problem analysieren, tief durchatmen und seine Gedanken aufschreiben? Kann man machen oder lassen. Wir tranken Bier um 14 Uhr alleine in einem Pub. Elmo rostete dadurch nicht weniger und die GTÜ wurde nicht netter, aber ich bekam Abstand von diesen Dingen und freute mich, einfach diesen Moment zu haben, wo man sich ärgert und dann darüber lacht – mit einem Bier um 14 Uhr im Irish Pub.

Worüber ich mich aber noch mehr freute war die Tatsache, dass im Alter zwei Bier reichen, um den sorglosen Zustand zu erreichen, den man sich damals hart ertrinken musste.

(Obacht: Natürlich ist Alkohol keine Lösung – eher ein Beratungsgespräch beim Anwalt, was wir heute hatten. Sowas schafft deutlich mehr Hoffnung als ein Bier – kostet aber auch mehr. Irgendeinen Haken gibt es halt immer.)

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