Stein, Schere und – VERDAMMT – Papier (Teil 3)

Die Luft ist raus. Mein Kopf liegt auf einem Stapel Papier, der sich auf dem Küchentisch vermehrt. Nebenan tippt Herr Traumenit wütend in die Tasten. Ja, die Luft ist raus. Papier fressen Seele auf.

Ich kann darüber nicht schreiben. Wie endlos die Suche nach einem Imbisswagen ist, wie wir uns immer mehr in Suchalgorithmen verstricken, wie wenig das noch etwas mit der Praxis zu tun hat.

Also, spulen wir zurück. Was bisher geschah: Elmo ist nun entgültig verkauft worden. Unsere Bemühungen den Verkäufer über ein anwaltliches Schreiben aus der Reserve zu locken, waren gänzlich fruchtlos. So mussten wir uns zwischen einer Klage und dem Verkauf entscheiden. Bei vielen Diskussionen ging uns schon hier zum ersten Mal die Puste aus. Jede Entscheidung fühlte sich irgendwie falsch an. Doch wir hatten gelernt. Es ist immer sinnvoll, andere Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Viele Köche verderben zwar den Brei, aber vier Augen sehen mehr als zwei und mit dem zweiten sieht man besser. Der Sauerstoffmangel greift um sich.

Da wir nun erneut auf der Suche nach einem neuen Zugwagen für den Imbisswagen sind (den wir auch noch nicht besitzen… Schnappatmung…), haben wir uns diesmal beraten lassen und siehe da: es hatten sich wieder Denkfehler bzw. -lücken eingeschlichen.

Ein Zugwagen benötigt definitiv mindestens 100 PS, sonst braucht man gar nicht erst in den Ring steigen. Kauft man einen Wagen, sollte man stets seinen Wiederverkaufswert einbeziehen. Hierdurch scheiden Wagen mit Dieselmotoren aus. Durch Elmo sind wir auf den Geschmack des Campens gekommen, erscheint uns aber der kleine Bruder hierzu – Mikrocamping – deutlich attraktiver. Ein Kastenwagen findet leichter einen Unterstand, ist wendiger und bietet dennoch Stauraum und Platz zum Schlafen. Hier schlich der erste Denkfehler ein: Während wir fleißig nach gewerblichen Kastenwagen Ausschau hielten, bedachten wir den Wiederverkauf nicht mit. Dieser erhöht sich nämlich mit der Anzahl der Sitzmöglichkeiten. Sprich: Finden Leon-Mathias und Lena-Sophie samt Plüschfaultier (keiner hat mehr Teddys!) Platz im Wagen, steigen unsere Chancen, den Wagen wieder verkaufen zu können.

An dieser Stelle beginnt nun wieder die leidige Autosuche und während ich mal irgendwann behauptet hatte, ich würde gerne Dinge im Internet suchen – was kümmert mich mein Blog von gestern! So haut Herr Traumenit in die Tasten.

Aber auch die Luft für den Kauf des Imbisswagens wird dünner. Hierzu hatten wir uns den Imbisswagen in Schwiegeromas Einfahrt stellen lassen. Nun blühen die Gerüchte im Dorf, Schwiegeroma würde ein geheimes Außenklo betreiben, Herr Traumenit wolle Bratwürste verkaufen bzw. ich sei wieder eingezogen, aber in einen Butterstreik getreten und wohne nun im Imbisswagen.

Nun ließen wir die halbe Verwandschaft zur Begutachtung antreten und leider passierte nicht das, was in solchen Momenten erwartet wird: Ratschläge, die kein Mensch braucht. Im Gegenteil! Es fiel auf, dass ein FI-Schalter bei den Sicherungen fehlte, zu wenig Steckdosen vorhanden waren und die Auslage zu instabil war. Den fehlenden Warmwasseranschluss erwähne ich jetzt einfach nicht, weil uns das – trotz Recherche und Wissen darum – Tage später selber auffiel. Schließlich stellte meine Schwiegermutter dann noch beiläufig die Frage, ob wir denn auch schon bei der Berufsgenossenschaft gemeldet wären. Ich atmete langsam aus und in meinem Kopf bildeten sich Bilder einer ummantelten Gruppe mit Tiermasken, die kochlöffel-schwingend durch den Wald tanzen. Berufsgenossenschaft! Nicht Bruderschaft!

Verdammt, das klang nach Papier und ich sollte Recht behalten. Ich würde jetzt gerne ausführlich erklären, warum man sich einer Berufsgenossenschaft anschließen sollte, wie man diese findet, aber zu diesem Zeitpunkt war ich schon im Papiertunnel. In diesem Stadium kann man mir alles unter die Nase halten, was ich dann mehr oder minder lustlos ausfülle. Jedes Formular ist nur ein Haken auf meiner To-Do-Liste. Ich soll für das Institut für papierlosen Straßenverkehr meinen Lebenslauf in Bildern malen, damit ich einen Imbisswagen eröffnen darf? Go for it! Ich brauche eine Versicherung gegen Metalläusebefall? Ich bin dabei! Die Luft ist raus. Ich weiß nicht mehr, an was ich denken muss, ich weiß nicht mehr, was ich noch erledigen soll bis ich endlich, endlich in diesem Imbisswagen stehen darf.

Als Herr Traumenit in die Küche kommt, klebt mir Papier im Haar. Der Brief für die Berufsgenossenschaft liegt bereit. Vielleicht bastle ich mir aus dem Rest eine Tiermaske und wir tanzen durch den Wald. „Oder wir gehen jetzt einen Kaffee trinken?“ Kaffee ist immer eine gute Idee, sorgt aber auch für jede Menge heiße Luft im Kopf: Wasserhärte, Vollautomat oder French-Press, welche Kaffeesorte bie… „Soweit sind wir noch nicht,“ Herr Traumenit zieht mich aus der Küche, raus an die frische Luft. Stimmt, man muss nicht alles auf einmal tun – oder erzählen.

Stein, Schere, Papier (Teil 1)

Stein, Schere, Papier (Teil 2)

Advertisements

3 Kommentare

  1. einglueck sagt:

    Oha! Das richtige zu finden, wenn man was gebrauchtes suche ist ja eh fast unmöglich. Wenn man dann noch gerade schlechte Erfahrungen gemacht hat, wirds glaube ich fast unmöglich… 😬

    Ich würde auf die vielen Sitze im Zweifelsfall einfach verzichten. Ist der Wiederverkaufswert halt etwas niedriger – aber der Kaufpreis für euch vielleicht auch?

    Und was „klagen oder nicht klagen“ angeht: wir haben gerade ein Klageverfahren in mehreren Instanzen hinter uns (gebrauchtes Haus), und am Ende verloren. Weil das „beweisen“ dessen, dass der Verkäufer das wusste, fast unmöglich ist. So im Nachhinein: wir bereuen das nicht. Weil wir eine Rechtsschutzversicherung haben und uns der Ärger für den Verkäufer die Eigenbeteiligung wert war. Aber es war eben auch Ärger für uns selbst und ich würde es mir beim nächsten Mal 2x überlegen…

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, dass mit dem jetzt mehr investieren, um später weniger Ärger zu haben, schwebt halt immer mit im Raum. Und dadurch gehen die Überlegungen halt wieder los…

      Im Rechtsschutz sind wir erst jetzt – also für Elmo hat das leider nicht mehr gegriffen. Weshalb eine Klage dann wirklich teuer geworden wäre, obwohl man uns gute Chancen eingerechnet hat. Aber wenn der Verkäufer am Ende selber kein Geld mehr hat (und so schätze ich den ein), hat man dann trotzdem verloren.
      Jett muss man echt sagen „Schwamm drüber“ und weiter geht’s 😉

      Gefällt mir

      1. einglueck sagt:

        Macht ihr richtig. So ein Klageverfahren hatten meine Eltern mal: Verfahren gewonnen, Beklagter pleite. Also ja, nützt dir dann genauso wenig.

        Nach vorne ist der richtige Weg.

        Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.