Der Angsthase bleibt

Ich hatte Transparenz versprochen und kann das nicht halten. Denn Transparenz bedeutet auch, den Verlust von „Frau Traumenit“, hinter der ich mich gerade verstecke.

Eigentlich dachte ich, dass ich mit Verkauf der ersten Waffeln die Maske fallen lasse, ein großes „Hallo!“ in die Runde stoße und ein Gesicht und Klarname mit den Waffeln in Verbindung stehen. Zunächst dachte ich auch, dass dies für mich möglich wäre. Die meisten, die das hier lesen, kennen mich eh‘ und wer es nicht tut, hat immer noch die Freiheit, sich Frau Traumenit als nette Frau Holle von nebenan vorzustellen oder heißen Feger, der einen an der Waffel hat.

Außerhalb der Blog-Welt habe ich jedoch immer noch einen Job. Obwohl meine Arbeitgeber von meiner Nebentätigkeit wissen (für Angsthasen gibt es nicht die Option der heimlichen Nebentätigkeit), den Wunsch von einem Cafè kennen, kann ich mich nicht zu einem Outing aufraffen, das Cape umschnallen und ins Megaphon brüllen: „Das ist mehr als ein Wunsch! Alles was ich mache ist nur dafür! Ich brauche euer Geld und die Sozialversicherung! Hyper, Hyper!“ (wenn man schon ein Megaphon hat, muss man es auch nutzen…)

Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn ich liebe meinen Job. Ich mag meine Kollegen, was ich tue, macht mir Spaß. Diese Arbeit ist mehr als Mittel zum Zweck. Das ist ein Zwiespalt, den ein Arbeitgeber sicher nur schwer verstehen kann, denn ich bin nicht gekommen, um zu bleiben. Dies ist eine Beziehung auf Zeit, bis ich mich von Luft, Liebe und Waffel finanzieren kann. Bis ich wirklich selbstständig bin. Und selbst dann würde ich gerne in meinem Büro bleiben. Weil es mich genauso glücklich macht wie der Duft von Kaffee. Das ist schwer zu verstehen und ich kann diesen Zwiespalt kaum in Worte fassen. Am Ende glaube ich aber, dass ein Outing meine Chancen auf eine Zukunft in meinem Job verringern würde und dies auch irgendwie meine Selbstständigkeit im Wege stünde. Das ist nicht nur ängstlich, das ist paranoid.

„Du willst mich loswerden, oder?“ der Angsthase schnaubt.

„Nein“, sage ich.

„Wie sicher bist du dir?“ es schwingt Hoffnung in seiner Stimme mit.

„100 Prozent.“

„Das ist gut.“ Der Angsthase entspannt sich und ich auch. Denn eigentlich sind wir ein gutes Team.

 

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4 Kommentare

  1. HL Admin sagt:

    Liebe Frau Traumenit – danke für deinen ehrlichen Post. Der sorgt auch bei mir für ein kräftiges Durchschnauben. Die humanen Nüstern vibrieren vor Entspannung, der Brustkorb baut Druck ab. Schön, dass du dich mit deinem Angsthasen unterhältst und aussöhnst. Das ist gut so. Denn überfordern würde vermutlich für seelische kollapsartige Megaphon-Panikattacken sorgen. Ich schick dir viele good vibes und find’s toll, dass du dein neues business step-by-step angehst. Das klingt gut, freudig und gesund! Toi toi toi

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    1. Vielen Dank für das liebe Feedback! Ja, so ein Angsthase kann zwar nerven, hält einen aber auch manchmal vor Dummheiten zurück.

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  2. Lady Cupcake sagt:

    Übringens: Ich liebe – liebe – liebe WAFFELN!!!!! Njomm – gratuliere zu dieser Geschäftsidee!!!

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    1. Ich liebe Waffeln auch – immer noch, trotz der 1.000 Testessen 😉

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